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Le Jog 2008 – Zeitnehmer Blog

Le Jog 2008 –Die „Alternative Endurance Rallye“ – Die fahrende Zeitnehmerin (Liz Winter)

„Le Jog“ ist in unserem Hause wohlbekannt, da mein Mann letztes Jahr und unser Sohn Chris bereits die vergangenen fünf Jahre Teilnehmer waren. Also, als wir uns im Januar 2010 als freiwillige fahrende Zeitnehmer für die Veranstaltung anmeldeten, wussten wir schon, auf was wir uns einlassen würden.  Weil wir weit entfernt an der nordöstliche Küste East Anglias wohnen, mussten wir, um in Land’s End starten zu können, unser Haus schon am Donnerstag vor der Veranstaltung verlassen und unterwegs übernachten. Land’s End war spektakulär; besonders weil es sehr windig und rau war. Es war schön, so viele Freunde zu sehen, besonders Harriet, John, Lynn, Peter, Bill, Graham, Jane und Geoff, um nur Einige zu nennen und um den Stimmen Gesichtern zu geben, namentlich David McIntyre mit dem ich gesprochen und gemailt hatte.

Samstagmorgen mussten wir schon vor Beginn der Veranstaltung abreisen, da unser erstes Ziel als Finish-Zeitnehmer die Wadebridge Prüfung war; ein schöner sonniger Tag, aber im Schatten bitterkalt. Es war eine ziemlich schnelle Prüfung und von unserem Aussichtspunkt beobachteten wir manchen Teilnehmer der beinahe oder tatsächlich die letzte Etappe der Prüfung verpasste und dann mit Zeitverlust zurückkehren musste, um die Prüfung zu Ende zu bringen. Von dort fuhren wir Richtung Magor. Obwohl wir die Absicht hatten bei der Bridgewater Prüfung anzuhalten, mussten wir weiterfahren um noch Zeit für eine warme Mahlzeit zu haben. Von dort fuhren wir dann in die walisische Landschaft, da unsere erste Zeitkontrolle (ZK) bei der Wentwood Regelmäßigkeitsprüfung war. Dies war auch das erste Mal, dass ich die englische ‚Ordnance Survey Maps‘  herausholen musste! Schon lange vor unserem Ziel sahen wir einen Streuwagen auf der Straße und vermuteten daher, dass sie vereist sein könnte. Ich hatte unser Ziel auf meiner Karte eingetragen, und mittels der Skizze des Hauptzeitnehmers, wo der Kontrollpunkt sein sollte, fanden wir uns hoch oben auf einem sehr steilen Hügel mit Aussicht auf Newport und Cardiff wieder; wir konnten sogar sehen, wie Flugzeuge auf dem Flughafen von Cardiff landeten.

Unsere Nachbarn waren ein Meer an Kühen mit ihren Kälbern, die aber schnell ihr Interesse an dem verloren was gerade passierte. Es waren minus 2º Celcius und sehr eisig. Zu unserer eigenen Sicherheit streuten wir die Anfahrt der Zeitkontrolle reichlich mit Streusalz. Da wir sehr frühzeitig für das Clock Car eintrafen, waren wir tatsächlich drei Stunden an der Stelle bevor das Kurs-Schlussfahrzeug erschien! Das war der Moment, an dem wir bemerkten, dass die „Liege“ Uhr nicht die einfachste Sache ist, sie mit gefrorenen Fingern zu bedienen; und das Schreiben mit Handschuhen auch schwierig ist. Während die Rallye in der Nacht weiter ging, sind wir wie  Verrückte weiter auf der A449 zu der M5 (glücklicherweise zum größten Teil beleuchtet) nach Preston gefahren, wo wir eine Übernachtung in einem Hotel gebucht hatten. Wir trafen erst nach ein Uhr morgens ein, und ließen uns dann ein paar Stunden in ein warmes, behagliches Bett fallen. Am Sonntagmorgen, nachdem wir das Auto enteist hatten, fuhren wir nach Ingelton, dieses Mal um die Kontrollstelle bei der ‚Three Peaks‘ Tankstelle (einen sehr angenehmen Treffpunkt) zu besetzen. Wiederum waren wir früh genug da, um in Ingelton noch eine herrliche Tasse Tee zu trinken; die Sandwiches aus dem Co-op‘ Laden der Tankstelle schmeckten sehr gut.

Weil der Dieselvorrat für unsere Rallye möglicherweise nicht ausreichend sein würde, hatte der diensthabende Manager die Dieselzapfsäule bis ein Uhr nachmittags abgesperrt. Peter Nedin und wir waren für diese aufmerksame Maßnahme sehr dankbar.

Unsere nächste Zeitkontrolle war in der letzten Regelmäßigkeitsprüfung vor der Übernachtung in Carlisle. Wir befanden uns auf dem ‚Sacles Moor‘, und wiederum war ich froh, eine ‚Ordnance Survey‘ Karte der Gegend zu haben um uns problemlos zu positionieren. Wir waren uns bewusst, wie wichtig es ist, dass wir als Zeitnehmer die richtige Stelle für die Kontrollen finden. Zwar schickt uns der Hauptzeitnehmer eine kleine Kopie der Karte mit Skizze und Koordinaten zu, aber dennoch müssen wir dort hinkommen und an der richtigen Stelle alles korrekt aufbauen. Dieses Mal war es eine Kreuzung von „weißen Straßen“ (Nebenstraßen sind auf einer englischen Karte weiß gekennzeichnet) in zweierlei Hinsicht; sie waren alle mit gefrorenem Schneematsch und Eis bedeckt. Wir hatten es geschafft das Auto neben der Kreuzung zu parken. Aber, um die Zeitkontrolle durchzuführen, mussten wir auf einem gefrorenem Grasbankett stehen und uns mit Hilfe eines Vorfahrtsschildes stützen um aufrecht zu stehen, wenn die Autos vorbei kamen. Die Bedingungen veranlassten, dass die meisten Autos mit Vorsicht die Zeitkontrolle passierten, obwohl wir wieder zu unserer Sicherheit Salz auf der Straße gestreut hatten.
 

Eine weitere frostige Stelle mit Minustemperaturen und eisigem Wind trug zu unserem Unbehagen noch weiter bei. Wir hatten sogar einige Zuschauer – ein örtlicher Bauer mit vermutlich seinen ganzen Kindern im Auto. Unglücklicher Weise kam er etwas zu spät und sah deswegen nur die letzten paar Autos durchfahren. Weil wir schon 20 Minuten vor dem Clock Car angekommen waren, hatten wir uns sehr gefreut, dass das Schlussfahrzeug rechtzeitig ankam; wir waren für 2 ¾ Stunden dort gewesen! Wir trafen gegen halb neun in unserem Hotel in Carlisle ein, meldeten uns schnell an und fuhren zur Rallye Hauptstelle im Swallow Top Hotel, da es Gerüchte gab, dass dort eine Mahlzeit gegen eine geringe Gebühr zur Verfügung stand.

Montagmorgen mussten wir schon früh los, da unsere erste Zeitkontrolle in der ‚Water of Ae‘ Regelmäßigkeitsprüfung bei „Parkgate“ war und das Clock Car zehn Minuten vor neun Uhr morgens erwartet wurde. Dieses Mal sah es so aus, dass wir einen guten Parkplatz vor einem Fernsprechamt hatten. Aber als wir mit der Errichtung unserer Kontrollstelle fertig waren, traf ein lokaler Telefontechniker ein, der im Fernsprechamt arbeiten musste und alle übrigen Parkplätze beschlagnahmte. Als eine Dame ihr Haus neben dem Fernsprechamt verließ, erklärte ich ihr, was wir hier machen und für wie lange. Sie hat mir dann erzählt dass es in den vorherige 24 Stunden einen ‘white out’ gegeben hatte. Kurz nachdem das Clock Car durchkam rief uns der stellvertretende Rennleiter an und teilte uns mit, dass es eine Kursänderung gab, die wir allen Teilnehmern weitergeben sollten. Nachdem wir die Einzelheiten aufgezeichnet hatten und fertig waren um sie an die Teilnehmer weiter zu geben, kam wieder ein Anruf, diesmal um uns zu sagen, dass die ursprünglicher Route doch befahrbar wäre.

Von hier fuhren wir nördlich von Glasgow weiter zur „Rest & Be Thankful“ Prüfung; ein Tankstopp an der Tankstelle bei Hamilton beinhaltete auch eine Kaffeepause mit Sandwich. Wir hielten nochmals kurz am Ufer von Loch Lomand an, um unsere Beine auszustrecken bevor wir weiter zur Prüfung fuhren. Dies war unsere erste Begegnung mit Colin und Brenda Goode, die für diese Prüfung zuständig waren, während wir am Ziel waren. Colin und Brenda waren auch schon seit Cornwall bei dieser Rallye dabei und fuhren genau wie wir durch bis in die Nacht.

Dies war ein interessanter Nachmittag; Peter und Lyn Nedin trafen ein, um sich die Prüfung anzuschauen, bevor sie zum Abendessen gingen. Auch der Eigentümer des „Glen“ und sein Gutsverwalter kamen um die Tore zu öffnen und blieben bei uns um die Rallye anzuschauen und sie wurden nicht enttäuscht. Während wir auf die Crews warteten erlebten wir alle Wetterarten. Wir hatten noch einige Zuschauer die speziell gekommen waren um die Durchfahrt der Rallye zu beobachten.
 

Während die Rallye weiter nach Inveraray ging, mussten wir bergabwärts und weiter auf der A82 westlich nach Fort William. Wir benötigten mehrere harte Stunden hinter dem Lenkrad durch Glen Coe und vorbei an Ben Nevis; diesen Berg haben wir aber gar nicht gesehen. Fort William war eine willkommene Abwechslung; als wir eintrafen war die Kontrollstelle geöffnet und die ersten Autos tauchten für eine Pause zum Abendessen auf. Weil wir wussten, dass wir wach bleiben mussten und eine große Mahlzeit für uns nicht geeignet war, nahmen wir nur eine Tasse Suppe ein.

Weil wir nicht wussten, wie lange es bis zu unserer nächsten Stelle, einer Zeitkontrolle an der „Loch Ness“ Navigationsstrecke, dauern würde, fuhren wir wieder rechtzeitig los. Da wir auch nicht wussten wie weit es nach Evanton war, hatte Benzin höchste Priorität. Auf der Straße überholten uns Colin und Brenda, die auf demselben Abschnitt wie wir eine Zeitkontrolle hatten. Sobald wir die Hauptstraße verlassen hatten, mussten wir wegen des schlechten Wetters und den schlechten Straßenbedingungen langsam und vorsichtig fahren. Kurz nachdem wir das Viehgitter passiert hatten, kam aus der Dunkelheit, im Licht der Scheinwerfer, ein wunderschöner Hirsch mit vollen Geweih auf uns zu. 

Diese Zeitkontrolle war auf einer Kreuzung, direkt neben Straßenbauarbeiten, mit Verkehrsampeln.
Mittlerweile war es schon Mitternacht und das Clock Car traf als Erstes ein; wir mussten also noch einige Zeit auf den Rest des Feldes warten. Es war eiskalt und ich entschied, dass die einzige Art und Weise sich warm zu halten war, die ‚Highland Fling‘ in der Mitte der Straße zu tanzen. In kürzester Zeit wurde mir warm und glücklicherweise gab es wenig Verkehr oder sonst jemanden, sodass mich niemand gesehen hat. Nachdem das erste Auto durchgekommen war, kamen die übrigen Teilnehmer innerhalb der nächsten 1 ½ Stunden einer nach dem andern langsam vorbei. Zum Zeitpunkt als das Schlussfahrzeug ankam, waren wir froh wieder weiterreisen zu können; aber wir hatten da noch keine Ahnung, dass wir innerhalb kürzester Zeit den Jeep auf Allradantrieb umschalten mussten, weil die Straße vereist war.
  

Die Einfahrt zur Evanton Tankstelle war wie eine Schlittschuhbahn, und der Parkplatz beim Café sogar noch schlimmer. Es war eine einzige Eisfläche - keine angenehme Erfahrung. Aber hier gab es warmes Essen und Getränke, genau das was wir brauchten bevor wir zu der letzten Zeitkontrolle aufbrachen.
Wieder unterwegs, fuhren wir Richtung Lothbeg auf der A9. Wir mussten aufpassen die Kreuzung  nach Glen Loth nicht zu verpassen, da wir dort die erste Zeitkontrolle für diese Etappe durchführen mussten. Es war eine lange steile Strecke bergauf über eine einspurige Straße den Hang entlang. Ein Schild signalisierte, dass es keinen Winterdienst gab.

Das Wetter wurde immer schlechter und wir mussten sehr vorsichtig fahren. Zwei Hirsche tauchten im Licht unserer Scheinwerfer auf und in der Ferne am Rande des Waldes konnten wir weitere Hirsche sehen. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bevor wir die Brücke fanden, an der die Zeitkontrolle aufgestellt  werden sollte. Die Straße führte uns über die Brücke, wo wir es mit großer Mühe schafften, den Jeep zu wenden. Die Straße war eine einzige Eisfläche und zur Sicherheit fuhr ich auf dem Grasbankett. Unter der Brücke hörten wir einen Wasserfall rauschen (wir müssen bestimmt mal zurückkehren, aber dann tagsüber und bei besserem Wetter). Dieses Mal parkten wir sicherheitshalber unter dem Felsen mit Sicht auf die Straße, damit wir geschützt gegen das Wetter auf die Autos warten konnten. Wie üblich, war das erste Auto nach dem Clock Car der Bentley ¾ mit Sue und Catherine und wie immer bei guter Laune trotz der extremen Wetterlage mit Schnee, Hagel und Regen. Aus insgesamt 25 Endteilnehmern erreichten nur 8 Glen Loth – Gratulation an alle die diese letzte Navigationsstecke schafften.  Jedes Mal mussten wir die improvisierte Abdeckung der Windschutzscheibe zwischen den Durchfahrten der Teilnehmer trocknen. Wir konnten geschützt im Auto bleiben, bis wir die Scheinwerfer des nächsten Teilnehmers sahen und so auf ihre Durchfahrt aufmerksam gemacht wurden. Sobald der Range Rover von Bill und Graham und das Kurs-Schlussfahrzeug von Jane und Geoff den Glen verlassen hatten, konnten wir langsam und sehr vorsichtig den Glen hinunter zurück zur A9 fahren. 

Wir fuhren Richtung Lybster und zu einem herrlichen Frühstück, aber ich schaffte nur eine Schüssel Porridge und eine Tasse Tee. Die Mannschaften hatten hier einen längeren Aufenthalt, weil die letzte Regelmäßigkeitsprüfung wegen der Wetterbedingungen abgesagt worden war. Erfrischt und aufgewärmt gingen wir wieder zurück ins Auto und fuhren wieder in Richtung John O’Groats. Ja, ich weiß: wir hätten eigentlich direkt zurück zu unserem Hotel in Wick fahren können, aber wir wollten bis zum Ende dabei sein. Wir hatten aber noch einen anderen Grund um vor den meisten Teilnehmern in John O’Groats einzutreffen: unser Sohn Chris und sein Navigator Charlie waren ein Team von den 8 erfolgreichen Teilnehmern des letzte Navigationsabschnittes. Wir mussten einfach für sie da sein.  Der Weg war schrecklich und man musste äußerst vorsichtig fahren. Wir waren kurz vor John O’Groats, als wir sahen, dass die Straße vor uns wegen eines tödlichen Unfalls, der sich vor wenigen Stunden ereignet hatte, gesperrt war. Wir wendeten das Auto und folgten zwei anderen Rallyeteilnehmern der von HERO ausgeschilderten Umleitung bis zum Ziel.

Auch wir hatten John O’Groats erreicht. Ich war ganz aufgeregt über das, was wir erreicht hatten. Es waren drei extrem lange Tage, aber ich war froh dass wir dieses Abenteuer nicht verpasst hatten.

Nach einer willkommenen Tasse Tee mit Chris und Charlie kehrten wir zu unserem Hotel in Wick zurück, wo der Schlaf, auf den wir uns freuten, mit Träumen von Hirschen in unseren Scheinwerfern gefüllt war.